Berufliche Bildung ist der zentrale Schlüssel sowohl für die Fachkräftesicherung als auch im Kampf gegen Arbeitslosigkeit. Seit Dezember 2019 führt die Hope Consulting GmbH, eine 100-prozentige Tochter der der Handwerkskammer (HWK) Dortmund sowie Durchführungsorganisation für internationale Entwicklungsprojekte, eine Berufsbildungspartnerschaft mit der Shën Jozefi Punëtor Berufsschule in Rrëshen in Albanien sowie mit der Industrie- und Handelskammer Tirana durch.
Ziel des Projekts ist es, eine qualitativ hochwertige Aus-, Fort- und Weiterbildung zu ermöglichen, die die Bedarfe der regionalen Wirtschaft Nordalbaniens berücksichtigt und zugleich die Fluchtursachen durch wirtschaftliche Entwicklung bekämpft.
„Das Handwerk hat in Albanien einen hohen Stellenwert“
„Albanien leidet unter einer hohen Jugendarbeitslosigkeit. Die Nähe zu Europa führt dazu, dass viele junge Menschen auswandern und versuchen, beispielsweise in Deutschland eine Ausbildung zu machen“, erklärt Tobias Schmidt, Leiter der internationalen Projektarbeit der HWK Dortmund. In Tirana werde viel gebaut, Fachkräfte seien dort daher sehr gefragt. „Das Handwerk, beziehungsweise qualifizierte Fachkräfte, haben in Albanien einen hohen Stellenwert und ist ein Garant für einen schnellen Arbeitsmarkteinstieg. Die Region ist daher ein sehr guter Ort, um berufliche Bildung voranzutreiben“, so Schmidt.
Durch den Aufbau solider Werkstattkapazitäten vor Ort und der Durchführung von Train-the-Trainer-Schulungen, beispielsweise in Schweißtechnik, der Feinwerkmechanik, Sanitär-, Heizung-, und Klima- sowie Elektrotechnik, sollen Ausbildungsgegebenheiten verbessert und parallel dazu auch konkrete Weiterbildungsangebote etabliert werden. Dazu gehört auch der Aufbau einer Schweißkursstätte, die nach dem Regelwerk des Deutschen Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e.V. (DVS) qualifizieren soll, um die Wettbewerbsfähigkeit und den Handel mit anderen Ländern zu ermöglichen. „Über die Vernetzung mit der Wirtschaft und der IHK vor Ort wird somit versucht, Schülerinnen und Schüler schneller in den Arbeitsmarkt aufzunehmen und bestehendes Personal zu qualifizieren“, sagt Schmidt.
Startschuss für die Berufsbildungspartnerschaft
Entstanden ist das Projekt durch intensive Netzwerkarbeit vor Ort, die durch den HWK-Projekt-Koordinator Franc Musolli angestoßen wurde. Die katholische Kirche, die die Schule in Rrëshen unterhält, erfuhr von den Aktivitäten in Kosovo und trat mit der Handwerkskammer in den Dialog. Es folgte eine Kennenlernphase mit gegenseitigen Besuchen. Nur wenige Monate vor der Corona-Pandemie startete nach einer Projektfindungsmission in Albanien die Berufsbildungspartnerschaft, die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung über die sequa gGmbH, eine weltweit tätige gemeinnützige Entwicklungsorganisation, finanziert wird. Die Corona-Pandemie stellte die Projekt-Verantwortlichen zu Beginn vor Herausforderungen, die sie jedoch erfolgreich durch den Einsatz digitaler Lösungen bewältigten.
So wurde mithilfe einer virtuellen Werkstattanalyse, bei der die Personen vor Ort während einer Videokonferenz mit ihren Smartphones oder iPads durch die Werkstätten gegangen sind. Dies wurden von den Ausbilder*innen der HWK Dortmund eine erste Bestandsanalyse durchgeführt. Auf Grundlage dieser Analyse erstellten wir Beschaffungslisten und veranlassten den Einbau sowie die Montage. Nach dem Abebben der Corona-Pandemie können wir dann sofort durchstarten.
Bildung als Partnerschaft
Wir brachten die älteren Geräte der Schweißkursstätte in Dortmund, die durch geförderte Neugeräte ersetzt wurden. Diese werden auf Vordermann gebracht und übergaben sie an die Partnerberufsschule zum Restwert über das Projektbudget. Zusätzlich statteten wir weitere Werkstätten basierend auf den Kursinhalten mit BMZ-Mitteln aus. Online-Seminare und virtuelle Schulungen wurden in den bereits genannten Gewerken durchgeführt. „Bislang haben über 150 Personen an den Train-the-Trainer-Schulungen teilgenommen“, bilanziert Schmidt.
Berufsbildungspartnerschaften laufen generell über zwei Phasen zu jeweils drei Jahren. Das Projekt befindet sich derzeit noch in der ersten Hauptphase und läuft noch bis 12/2022. Nach weiterer Abnahme des Infektionsgeschehens werden sogenannte Kurzzeitexperten die Schule besuchen. Es werden technische als didaktische Trainingsdurchführen und neue Seminarangebote etablieren, um der Region zu wirtschaftlichem Erfolg zu verhelfen.